peter mayer

 

STATEMENT ZUR KUNSTPÄDAGOGISCHEN ARBEIT

Ausgangspunkt

 

Die Basis meiner kunstpädagogischen Arbeit bilden zwei Säulen: zum einen meine eigene

künstlerische Arbeit, zum anderen Positionen und Tendenzen zeitgenössischer Kunst.

Die eigene künstlerische Arbeit ist geprägt von einer „Spurensuche“, die im Wesentlichen das

Akkumulieren von Collageteilen und objekthaften Fundstücken als Zeitzeugnisse umfasst und

die sich in der persönlichen entwickelten Strategie des Sammelns, Selektierens und Umstellens

in neue Ordnungszusammenhänge ausprägt. Begleitet ist diese Arbeit von Positionen

zeitgenössischer Kunst, die sich im „Kleinen und Privaten, im Unscheinbaren und scheinbar

Nebensächlichen, im zufällig Gefundenen und in verstaubten  Zeugnissen nach den Spuren

alltäglicher Biografien, aber auch des traumatischen Schicksals der anonymen kleinen Leute suchen.

Diese Lebensspuren wollen als eine gleichsam vorsprachliche Schrift entziffert werden, die weder

wie ein geschriebener Text eindeutig Botschaften vermittelt, noch ursprünglich für einen lesenden

Adressatenvorgesehen ist.“ ( Vitali, Schuster, von Wiese in Deep Storage, Arsenale der Erinnerung )

 

Vermittlung

Die Erschließung zeitgenössischer Positionen setzt die Fähigkeit des Individuums voraus, mit

dem sich ständig erweiternden Horizont von Wissen und Informationen, von bildsprachlichen

und digitalen Veränderungen umgehen zu können.

„Das hat mit Dasein, Konzentrationsfähigkeit, Intensität der Wahrnehmung, Präsenz des

Bewusstseins und Lust auf gestalterische Transformation zu tun.“ ( Gert Selle )

In meinen Übungen versuche ich durch die Anleitung zu experimentellen Vorgehensweisen

eine Arbeitshaltung zu entwickeln, die ästhetische Arbeit ( Gert  Selle ) möglich macht.

Diese umfasst:

- ein Versuchsfeld spielerischer und erfinderischer Aktivitäten in der Anhäufung unerlebten Wissens

- Erfahrung mit und ohne System: Wissen durch Ausprobieren

- Materialsensibilisierung durch die Erfahrung auf dem Arbeitsweg

- Selbsterkenntnis durch Selbstanstrengung

- Beweglichkeit und Offenheit im Tun

 

Die Positionen von Gegenwartskünstlern sind dabei sowohl Ausgangspunkt als auch Begleiter.

Die ästhetische Arbeit impliziert von der Methode her das ästhetische Projekt.

 

Ziel

„Jeder findet seine Form, wenn eine wirkliche eigene Erfahrungsgeschichte zu Wort, Tat oder

Bild drängt.“ ( Gert Selle )

Weniger wichtig als die Vermittlung praktikabler „Unterrichtsrezepte“ sind in meinem

kunstpädagogischen Ansatz die Identitätsfindung des „Provokateurs im Tun“, die Beweglichkeit

und Anpassungsfähigkeit für die Vermittlung von „Kunst in der Zeit“. Die Offenheit für das

Experiment als Suche und Ergebnis, für Materialfindung und –erkundung, die Fähigkeit

zur freien Entscheidung im Umgang mit zeitgemäßem material, die Erkenntnis

der Vernetzung von Kunst mit anderen Lebensbereichen stellen gleichermaßen

Ausgangspunkt und Ziel der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst dar.

 

 

 

home